Kurpfälzer Schnurren und Anekdoten

Kurpfälzer Anekdoten, Schnurren, Schwänke und lustige Geschichten
zum Schmunzeln

                                  übernommen, angeglichen und verfeinert

Kurpfälzer Anekdoten

Erschaffung des Pfälzers

Als der liebe Gott den Pfälzer geschaffen hatte, fragte er ihn, ob er noch irgendwelche Wünsche habe.

Frei weg sagte der Pfälzer: „Hajo, isch  hätt‘ gern uff dem Flecksche Land  no Berg und Wälder druff.“

Da schuf Gott in seiner unendlichen Güte den Odenwald und den Pfälzer Wald und fragte wieder: „Bist du jetzt zufrieden?“

„No, noch net ganz“, antwortete er, „an denne Häng und in de Ewene mescht i Wingert hawwe, die wo än guade Woi gewwe!“

Also schuf Gott an den Hängen und in der Ebene sonnige Wingert und fragte den Pfälzer nach der Ernte: „Schmeckt dir der Wein?“

„Jaho,“ entgegnete der geschäftstüchtige Pfälzer und fragte den lieben Gott: „willsch a emol prowiere?“

Da ließ sich der Herrgott einen Schopppen einschenken, trank ihn bis zur Neige leer und meinte: „Tatsächlich – der Wein ist hervorragend! Willst du jetzt noch etwas?“

„Allerdings,“ sagte der Pfälzer unverblümt und direkt, also ohne lange Ferz, „drei Euro zwonzisch!“

Pfälzer Original

Pfälzer Original

Beginnen wir in Mannheim. Jeder kennt die Schnurren Peter Schäfers alias „Blumepeter“ wohlwissend, dass die Geschichten und lustigen Begebenheiten nicht alle von dem kleinwüchsigen Kretin stammen, stammen können.

In seine Figur legte und legt der Pfälzer all das hinein, was ihn charakterisiert:  Schlagfertigkeit, Humor, Witz, Gutmüdigkeit und Toleranz.

Am 5. April 1875 wurde er in Plankstadt unehelich geboren, dann Umzug der Familie nach Mannheim, am 18. Juni 1940 auf dem Wieslocher Anstaltsfriedhof bestattet.

Peter als Schulbu

Als Peter zur Anmeldung in die Schule kam, war er so klein, dass der Lehrer zuerst gar nicht glauben wollte, dass er schon 6 Jahre alt sei. Aber einen Kopf hatte er gehabt, so groß und dick wie ein ausgewachsener, wohlgenährter Brezelbäcker.

„Liebe Frau“, sagte der Lehrer mitleidig zu Peters Mutter, „ich glaube, der Junge hat einen Wasserkopf!“

 „Was, an Wasserkop?“, meinte die gute Frau sichtlich beleidigt, „dass Se sich doo bloß net deische, Herr Lehrer. Dumm is der net, duhn Se’n norre mool ebbes frooge!“

 „Na, wie heißt du denn, Kleiner?“, wendete sich der Lehrer in liebevollem Ton den Buben.

„Wie isch heeß? –  Ha, wie moi Vadder“, lautete die schnippische Antwort.

„Und wie heißt dein Vater?“

„Ha, wie moi Großvadder.“

„Und dein Großvater?“

„Des weeß isch net. Der war schunn geschdorwe, wie isch uff di Welt kumme bin.“

Der Lehrer sieht ein, dass er so nicht weiterkommt und fragt etwas Anderes.

„Wo wohnst du denn?“

 „Ha, dehäm, bei uns. Wu sunscht?“

 „Und wo seid ihr denn daheim?“

 „Ha, in unserm Haus im fimfte Stock.“

 „Und welche Nummer hat denn euer Haus?“

 „Ä Nummer hott’s kähni, awwer unne drin is’n Beckerlade.“

 „Aha, das weißt du also. Und wie heißt denn die Straße, in der euer Haus steht?“

 „Die hott kän Nome, des is halt bloß unser Gass, des weeß jedes Kind.“

Da tut der Lehrer einen tiefen Seufzer und gibt es auf, Peter weiter zu befragen.

„Ich habb’s Ähne jo glei g’saat“, tröstete ihn stolz die Mutter, „mit dem werre Se net so leicht ferdrisch. Moi Monn hott schunn oft g’saat: An dem verguggt sich noch moncher; der hott’s fauschddick hinner de Ohre, so kläh wie’r is.“

Weg war sie und hat in der ganzen Stadt erzählt, wie gut ihr Peter die Aufnahmeprüfung für die erste Klasse bestanden habe.

Nachtrag: Peter hat nie eine Schule besucht. Er konnte weder schreiben noch lesen.

Verbleiben wir bei der Schulzeit, in Anführungszeiche

Die Himmelsrichtungen

Im Erdkundeunterricht bemüht sich der Lehrer den Kindern beizubringen, wie man die Himmelsrichtungen bestimmen kann.

„Also, wenn ihr nach Norden schaut, was ist dann hinter euch?“

Süden!“

„Richtig, und was ist links?“ –

 „Westen.“

„Sehr gut, und Peter soll uns jetzt sagen, was dann rechter Hand ist.“

„An de rechte Hand?“, fragte Peter verwundert, „Ha, do sinn mei Finger.“

Das erste Zeugnis

Kurz vor den Ferien kam Peter von der Schule nach Hause und fragte seinen Vater:

„Du, Babbe, saag emool, konnscht du deun Nome schreiwe, wonn’d die Aache zu hoschst?“

„Ha jo, des is doch ko graußes Kunschtstück!“

„So“, sagte Peter erleichtert, „dann browiers glei emool. Mach alle zwee Aache fescht zu unn schreib dein Nome unner mei Zeignis.“

Originelle Rechenmaschine

Schulrat Runz kam unerwartet in die Schule. In der dritten Klasse hatten sie gerade Rechnen.

„Fahren Sie ruhig fort, Herr Kolleg“, sagte er freundlich zum Lehrer.

Da bemerkt er den kleinen Peter, der barfuß auf dem Stuhl hinter dem Pult saß, als ob er sich die Nägel schneiden wollte.

„Nanu, was ist denn mit dem Jungen los?“, fragte er erstaunt und wandte sich an ihn:

„Warum hast du dir denn die Schuhe ausgezogen?“

„Ha, wisset Se Herr Schulrat, de Lehrer hott gsacht, isch soll uff zwanzisch zehle, und do longe ma die Finger net. Isch brauch die Zehe dazu!“

Eine Schnurre aus dem späteren Leben

Sitzen und Stehen

„Wu is’n dein Freind, de Schorsch“, fragte Hannes den Peter, „ma sieht’n garnimmeh!“

„De Schorsch, der arme Kerl – ha weesch des net? – Der muss sitze.“

„Ei warum muss e donn sitze?“

„Ha, du Simbl, weil er gschdanne hott!“

 Aus: Das große Blumepeter Buch, von Adam Schölb

Heidelberg

Heidelberg, eine Stadt, oft besungen, hochgepriesen, viel gelobt – aber, was ist mit den Menschen, die in ihr und um sie herum leben?

Um deren Wesenszüge zu verstehen, müssen wir ihnen aufs Maul schauen, um mit Luther zu sprechen.

Auf den Mund gefallen sind sie nicht, die Heidelberger, das haben wir schon gelernt. Aber das Wort springt ihnen nicht von einer spitzen Zunge, die dem Berliner eigen ist.

Natürlich gibt man am Neckar mit barer Münze heraus, wenn es sein muss. Aber das Lächeln, das meist die Rede begleitet, weist den Weg, dass das Gesagte einen tiefen Sinn hat als nur das einer raschen Zunge.

Die zwei Krakeeler

Ein Beispiel der Volksphilosophie ist die Geschichte, die eine liebenswerte Heidelberger Mitbürgerin aus den Jahren nach dem Krieg von 1870/71 berichtete.
Damals war das Selbstbewusstsein der besser situierten Untertanen mächtig gestiegen und man tat sich viel zugute auf die Ehrlichkeit, Unbestechlichkeit, den Diensteifer der Diener des kaiserlich gewordenen Staates.

Zwei Musterexemplare ihrer Epoche, ein Staatsanwalt und ein Amtsrichter aus dem kühleren Norden des Reiches, ehemals Studenten in Heidelberg, schwankten weit nach Mitternacht durch die Straßen der Altstadt ihrem Quartier zu.

Laut singend schleppten sie sich auf ihren unsicher gewordenen Beinen um die Heiliggeistkirche herum.

„Alt-Heidelberg, du feine…“ klang es über den Markplatz und von den schweigenden Wänden der Altstadthäuser hallte es zurück. Da tauchte von der Apothekergasse her ein Schutzmann auf. Die übermütigen alten Herren torkelten auf den subalternen Hüter des Gesetzes zu.

Der Polizist drehte sich zu einem Schaufenster hin und tat so, als hätte er die beiden Ruhestörer nicht bemerkt. Das machte die Krakeeler stutzig. Die andere Seite ihres betrunkenen Wesens regte sich, und der Staatsanwalt ergriff die Initiative.
„Sajen Se mal, juter Freund“, begann er, „warum arrjetieren Sie uns eijentlich nicht. Zumindest müssten Sie doch die Personalien…“

Weiter kam er nicht. Der Schutzmann drehte sich nur ansatzweise zu ihnen um und meinte: „Ha, wisse Se, meischt mach ich des aach. Awwer wenn zwee so alte Rindvieher net wissen, was sisch g’heert, dann loss isch se laafe.“

Dienstmann Muck

Dienstmann MuckAm 15. Januar 1837 wurde im Dorf Neuenheim in der Familie des Neckarfischers Georg Fries, dessen Sohn Johann geboren. Unter diesem Namen kennt ihn wohl niemand, aber als Dienstmann mit der Nummer 73 eher. Ganz sicher werden Sie, wenn Sie den Namen Muck hören.

Um es vorweg zu sagen, von schwerer, schweißtreibender Arbeit hielt er nicht viel, eher vom Essen und Trinken, das ihm seine Kundschaft und das waren damals die Studenten des Korps Suevia, bezahlten.

Heute gibt es sie nicht mehr. Die Eckensteher, die verbummelten Genies sind ausgestorben. Früher gehörten sie zum Stadtbild. Jeder in der Stadt kannte sie. Sie standen am Kochenburger Haus gegenüber der Universität oder an einer anderen Ecke der Hauptstraße. Sie hatten Namen wie: Langer August, Binsebub, Doddelvogt, Spelzegries und natürlich Muck.

Wie Muck zu seinem Namen kam.

Nach jeder Kneipe (Eindeutschung des früher gebrauchten Wortes „Kommers“ – Der Kommers ist aus besonderem Anlass abgehaltener abendlicher Umtrunk in feierlichem Rahmen[ bei den studentischen Corps)  blieben auf den Tischen im Schwabenhaus (Korps Suevia) stattliche Bierlachen zurück. Von ihnen fühlten sich die „Mugge“ eingeladen und krabbelten in großen Scharen auf dem Tisch herum.

Sehr zur Freude des großen Hundes der Hausbewohner. Er fing die Muggen und fraß sie, wozu die Studenten ihn mit dem Ruf „Muck, Muck!“ ermunterten.

Den Studenten fiel auf, dass zwischen dem Gesichtsausdruck des Hundes und dem des Dienstmannes Fries eine erstaunliche Ähnlichkeit bestand. So kam Dienstmann Nr. 73 zu seinem Uznamen.

Prosit Herr Muck

Allerdings gestand er nur seinen Studenten zu, ihn so anzureden.

So saß im Gasthaus Zum Weißen Schwan in der Hauptstraße Muck mit einigen Sueven beim Frühschoppen zusammen, die ihm laut mit „Prost Muck!“ zutranken.

Da erlaubte einer am Nebentisch sitzender Gast, sein Glas ebenso zu erheben. „Prosit Herr Muck!“

Die Reaktion darauf kam prompt.  „Was häwwe se g’saat“, fuhr Muck ihn an.

„Muck häwwe se g’saat?

Form mei Herre do, for die Herre Schwobe bin i der Muck.

 Awwer vor Sie, Sie erzgemoiner Prolet Sie, do bin i der Herr Fries! Des merke Se sich!“

Rechnung

Ein Student gestattete Muck aus Freude über sein gerade noch so bestandenes Doktorexamen und weil er ihm oft die Bücher zur Bibliothek getragen und ihn bereits einige Semester vor der Pormotion mit „Herr Doktor“ angeredet hatte, auf seine Rechnung in der Mainzer Bierhalle soviel zu essen und zu trinken wie er vertragen könne.

Muck tat es.

Die Rechnung war enorm: Auf ein reichhaltiges Abendessen hatte er noch etliche Schoppen draufgesetzt.

Höhepunkt der Rechnung war allerdings der letzte Posten: „von acht bis ein Uhr nachts in der Bierhall fünf Stund verbracht = 5 Mark.

Der frisch gebackene Doktor bezahlte natürlich am anderen Tag die Rechnung, wollte jedoch wissen, was die Zeitangabe bedeute.

„Ha, Herr Doktor, esse un drinke is aa g’schafft.“

Alma Mater (nährende, gütige Mutter)

Ein Reisender versuchte sich, in Heidelberg zurechtzufinden und stieß dabei auf den Dienstmann Nr. 73, der in Dienstmannsuniform als respektable Persönlichkeit gehalten werden konnte. Bei diesem erkundigte sich der Fremde, wo er denn die Alma Mater finden könne. Worauf ihm Muck antwortete:

„Do hätt isch viel zu tu, wann i wisse müsst, wu all die Frauezimmer wuhne.“

Zechbrüder unter sich

„Moi Bruder is on de Universität“, sagte einmal Dienstmann Muck am Stammtisch in der Kümmelspalterei, nachdem er schon ordentlich einen getrunken hatte.

„So und was studiert er dann?“, wollte der Zechbruder wissen.

„Er studiert net, die studiere ihn!“

aus: Jürgen Brose „Muck – Der Dienstmann mit der Nummer 73

Andere Heidelberger Originale

Huckele le Grande

Einer der letzten Heidelberger Originale war „Huckele le Grande“, seines Zeichens Hundescherer. „Europameister im Pudeldressieren“, das war der Titel, den er sich selbst zulegte. Im Jahre 1935 segnete er das Zeitliche.

Nun zu seinem Wirken.

Huckele hatte sich beim Amtsgericht über die Stadtverwaltung beschwert.

Der Richter bestellte ihn daraufhin ein und ließ sich seine Beschwerde erläutern.

Huckele:

„Erschtens, Herr Rischter, passt mir net, dass mir jetzt uff ämol drei Bürgermeesschder hawwe. Des sin zu viel. Wer soll donn des zahle?

Zwettens, dass de Schtadt Idaliener beim Bau vum Karlstor-Tunnel beschäftigt, die   (Rassist ……. )  nemme uns die Ärwet weg, odderf“?

Der Richter:

In Ihrer schriftlichen Beschwerde klingt das allerdings ganz anders, Herr Huckele. Mit unflätigen Ausdrücken haben Sie die Stadtverwaltung beschimpft. Und im Übrigen hat sich meines Wissens die Stadtverwaltung sehr wohl überlegt, warum sie gerade Italiener angestellt hat. Sie sind anspruchsloser und arbeiten für drei.“

Huckele:

„So, Herr Obergerichtsrat, awel, jetzt hemmer’s. On Idaliener schafft for drei, des hawwe Sie selbscht gsaat, odder?“

Hah, warum nemme mer dann kän Idaliener zum Bürgermeeschder? Dann kennte mer doch zwee Bürgermaschter spare, odder?“

Hoiner aus de Kranegass‘

Dass der „Hoiner aus de Kranegass“ gern angibt, hat sich schon längst herumgesprochen. Selbst sein Vater besaß schon ein großes Messer zum Aufschneiden. Aber letzthin hatte er es doch ein wenig zu weit getrieben.

Er behauptete, er sei als Koch bei der Universität, genauer im Botanischen Institut, angestellt.

„Du, un Koch?“, tat der Bierhansel ganz erstaunt.

„Isch hab net gewisst, dass die a Kontin hawwe.“

„Naja, die hawwe sie norre for die Professore un de Studende!“, gestand der Heiner.

„Ja, und was machschd donn duu dort?“

„I kochs Mittagesse for de fleischfressende Pflonze.“

Anselm aus der Semmelsgass‘

Den „Anselm aus der Semmelsgass“ und seinen Sprössling, des Karlsche, darf man nicht vergessen.

Vater und Sohn standen am Bahnhof. Sie mussten warten, weil der Zug Verspätung hatte. S‘Karlsche zeigte auf einen Gegenstand auf der gegenüberliegenden Seite, der das Gewicht eines Menschen anzeigt.

„Do guck Babbe, do schdeht ä Woog”.

Der Vater korrigierte: „Biewl, des heest net Woog, sundern Waage!“

Der Pimpf runzelte die Stirn: „Duhn wir zwee uns emol waage?“

Erneute Verbesserung: „Nää Kind, des heest net waage, des hesst wiege.“

„Awwer Babbe, wann mir des däde, wieviel Kilo hätte ma donn zsamme gewiegt?“

Der Erziehungsberechtigte konnte sich eine weitere sprachliche Verbesserung nicht verkneifen: „Mer hätte uns net gewiegt, sondern mir hätte uns gewoogen!“

Der pfiffige Knirps lachte schallend: „Sieschd Babbe, isch hab‘ jo glei gesaat, dass des ä Woog is!“

Vermischtes

Der „Binsebub“

Er war ein kleinwüchsig, aber verstand sein Geschäft. Er belieferte die Studenten regelmäßig mit getrockneten Binsen. Seine Ware wurde zum Reinigen der langen Pfeifen gebraucht – und ein Student, der zur Zeit des „Binsebubs“ etwas auf sich hielt, rauchte lange Pfeifen.

Der kleine windige Bursche nutzte voller Pfiffigkeit seine Beschränkung für seinen Handel aus.

Mochten sie über seine dummen Antworten nur lachen oder auch über den Spruch, mit dem er seine Ware anbot:

„Binse, meine Herre, abscheilich lang, niederträschdig frisch und impertinent wohlfeil“.

Wer zuletzt lachte, wenn er sein Geld zählte, war er.

Was er sagte, war simpel, waren „Binsenweisheiten“.

Auf ihn, den „Binsebub“, bezog sich dieser Ausdruck in der Studentensprache, der schließlich in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Schlossführer

Im „Roten Ochsen“ kam einmal ein Fremder mit einem Schlossführer, der in seiner selbstentworfenen Phantasieuniform vor einem Schoppen saß, ins Gespräch.

„Was haben sie denn für einen Beruf, weil Sie solche eine imposante Uniform tragen?“ wollte der Fremde wissen.

Der Uniformgeschmückte nahm einen Schluck aus seinem Weinschoppen und erklärte dann nicht eben unbescheiden:

„Isch bin drowwe fir’s Schloss des, was hier unne für de Universität de Professore sinn.“

Alte Kieh

Unter den Mannsleuten gibt es hin und wieder „windige“ Brüder, die den Mädchen nachstellen und sie auch noch ausnützen.

Sie machen ihnen große Flausen vor, reden vom Heiraten und von ihrem großen Einkommen, und die Damen glauben ihnen dies.

Das Ende vom Lied ist, dass manches Mädchen um alle Hoffnungen betrogen wird.

Da war vor einigen Jahrzehnten in Heidelberg eine Gerichtsverhandlung und nicht weniger als siebzehn Bräute oder Exbräute marschierten auf.

Eine war dabei, die aus Kirchheim stammte und bei Professorsleuten als Köchin beschäftigt war.

Sie war in den fünfziger Jahren.

Bei der Verhandlung meinte der Richter: „Na, man hätte von Ihnen mehr Vernunft erwarten dürfen, alt genug sind Sie ja.“

Da konterte die Dame: „Die alte Kieh‘ schlecket au no gern Salz!“

Lui, der Amerikaner

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verließ der Armbrusters Lui die Heidelberger Altstadt, um in der neuen Welt sein Glück zu finden.

Nach dreißig Jahren tauchte er plötzlich wieder im „Roten Ochsen“ auf. Alle seine alten Kumpane waren überrascht und erstaunt. Tausend Fragen trommelten auf ihn ein: „Verzähl doch ämol…“

„Wie is es dort?“…. und so weiter.

Auf die Frage: „Hosch a Haus dadriwwe?“, antwortete er: „Oh, very…“, wurde aber sofort mit dem Ausruf unterbrochen: „Ach Gott, der schwätzt ja norre  Englisch!“

Ein anderer wollte wissen: „Was verdienscht‘dn so?“. Wieder setzte Lui zur Antwort an: „Oh, very …“ nur um durch weiter Fragen von der Antwort abgehalten zu werden. „Hosch k’heiat?“ „Hosch Kinner?“ „Färsch so on Stroßekreizer?“

Endlich hielt es einer der Neugierigen nicht mehr aus und er brüllte in die Runde: „Jetzt lossd‘n hald emol ausredde!“

Es war ganz still im „Roten Ochsen“, als  der Maische Lui tief Luft holte und mit einem Seufzer vom Grunde seiner Seele sagte: „Oh, veri … doch dahom gebliwwe!“

Geschäft mit der negativen Solidarität

Es ist schon eine Weile her, dass um die Stadthalle herum Verkaufsstände und Buden aufgebaut werden konnten, ohne dass dadurch der Verkehr gestört wurde.

Manche Wohltätigkeitsveranstaltung und viele Vereinsfeste haben dort als „kleiner Jahrmarkt“ stattgefunden.

Dabei wurden ganz ansehnliche Umsätze erzielt, und die Polizei drückte gerne ein Auge zu, wenn es geschäftlich nicht immer so zuging, wie das Gesetz es verlangte. Es war ja meist für einen guten Zweck. Aber einmal musste sie doch einschreiten.

Da war neben der dem Neckar zugewandten Stadthallenseite, zwischen Würstchenständen, Schießbuden, Würfelhallen und Bierzelten auch eine Bude aufgebaut, an deren Front mit übergroßen Buchstaben zu lesen war:

Die große Sensation!  –  Ein Blick ins Jenseits! – Sehen und staunen!    Eintritt nur 10 Pfennige

Für den billigen Preis wollten viele den Blick ins Jenseits riskieren und lieferten dem am Eingang kassierenden Jungen ihre Groschen ab.

Wenn sie dann in der Bude drin waren, wurden sie von einem zweiten Jungen zu einem Brett geführt, in dem in Augenhöhe ein Astloch war.

Aufgefordert, durch dieses Loch zu schauen, sahen sie hinüber zum Neuenheimer Ufer, d. h. zum jenseitigen Ufer – Und wenn man es großzügig handhabt – schauten ins Jenseits, weil die vom anderen Ufer, von den Heidelbergern auch die „Jenseitigen“ genannt wurden.

Keiner der Reingefallenen warnte die Wissbegierigen, die noch vor der Bude standen, vor diesen Schabernack. Das bedeutet, dass Schadenfreude, wohl auch eine Art von Freude ist.

Schließlich erschienen die Gendarmen, aber da hatten die beiden dreizehnjährigen Neckarsume, die als Unternehmer ohne Konzession und Wandergewerbeschein festgestellt wurden, schon an die zwanzig Mark in Groschen in der Tasche.

Souvenirs

An einer der Stellen der Stadt, an der der Fremdenverkehr besonders brandet und wo deshalb die Andenkenverkaufsstände sich dicht an dicht angesiedelt haben, eben  an der Heiliggeistkirche, war ich letztes Jahr Zeuge folgender Szene:

Die etwa zehnjährige wohlgenährte Tochter einer der Tand Händlerinnen setzte sich eines der Strohhütchen auf, die ihre Mutter dutzendweise feilhielt.

Um festzustellen, wie das Hütchen sie kleidete, versuchte die Kleine, sich im Glas eines Schaukastens zu spielen.

Es war das blaue Hütchen mit den aufgeklebten Seemuschlen und der in Gold gehaltenen Aufschrift „Gruß aus Heidelberg“.

Die Mutter sah sich das kokette Gehabe ihrer Tochter eine Minute lang an, dann riss sie dem Sprössling den Hut vom Kopf, hängte ihn wieder zu anderen und stellte fest: „Du bischt jo fascht so dumm wie di Fremde!“

Saumarkt

Als vor einigen Jahren sich Gruppen von Gammlern die Treppe der Heilig-Geist-Kirche zum ständigen Treffpunkt ausgesucht hatten, stellte sich die Hohnacher Lisbeth, eine der Andenkenhändlerinnen, vor die Langhaarigen und meinte:

„Worum setzt er eich net uff die onner Seid vun de Schäagass- isch mäan vor de Briggedürm, do gheert er hii! Do war nämlisch friher de Saumarkt vun Heidelberg!“

Ein Unikat

Wir erinnern uns, Sie erinnern sich:

Zu Beginn der Corona-Zeit wurden die Gesichtsmasken teils an der heimischen Nähmaschine hergestellt, denn die Farbe, der Zuschnitt und die Art der Befestigung war noch nicht gesetzlich geregelt. Die meisten von uns trugen eine Dutzendmaske – weiß/blau mit Schlaufen, die über die Ohren gezogen wurden. Andere hingegen ließen ihrer Kreativität freien Lauf.

Baumanns Margret, eine junge Frau, so um die Dreißig, aus der Oberen Badgasse in der Altstadt, im Schwäbischen aufgewachsen, legte den größten Wert auf ein Unikat.

Sie kramte in ihrem Karton mit Stoffresten und glücklicherweise fiel ihr ein Leinenstück vom letzten Faschingskostüm in die Hände.

Behände, eins, zwei, drei schnitt sie ein Stück ab und nähte auf ihrer „Singer“ ein Unikat.

Vor dem Spiegel betrachtete sie ihr Meisterwerk und fand es wohlgelungen. „Des isch awwer schwä worre. En eschter Higucker!“

Sodann machte sie sich auf den Weg zum Supermarkt, um den Kühlschrank aufzufüllen. Zwei Pizzen, Maultaschen und Bubespitzle in Reserve konnte nicht schaden. Niemand wusste ja, wie lange die quarantäneähnliche Zeit andauern würde. Halt, die „Seidewürschtle“ waren herabgesetzt. Schnell ein halbes Dutzend in den Einkaufskorb. Sie kam ja schließlich aus dem Schwabenland – eine echte schwäbische Hausfrau.

Schon wollte sie zum nächsten Regal eilen, als ein Herr, so wollen wir ihn einmal bezeichnen, der sie schon zuvor lange von der Seite angeschaut hatte, anscheinend nun den Mut fand, sie darauf hinzuweisen, dass ihre Maske in einem öffentlichen Markt anstößig wirke.

„Und wesdawege?“, wollte sie wissen.

„Weil lauter männliche Fortpflanzungsorgane auf dem Mundschutz zu sehen sind.“

Baumanns Margret, nicht auf den Mund gefallen, antwortete spontan:

„Wenn Sie des erkenne könne, liegt es dodro, dass Sie den Mindeschtabstand net oihalte und des wiederum könnt ä Ordnungsschtrof nach sich ziehe.

Wolle Se noch ebbes sage?“

Der dickbäuchige Herr in Trainingshosen, Badelatschen und offenem Hemd mit einer Goldkette um den Hals, zog den Kopf ein und hatschte davon

Wir machen den Weg frei!

De Messmers Manfred schaufelt schon über eine Stunde den Schnee vom Gartentor bis zur Eingangstür. Total nassgeschwitzt lehnt er sich an die Hauswand. Da hört er ein Klopfen. Der Beckers Eigen, sein Nachbar, ist es. Er schaut ihm vom Fenster aus zu, hat eine Tasse Kaffee in der Hand und winkt ihm freundlich zu. Den Messmers Manfred ärgert das mächtig, denn sein Nachbar führt sich immer als der Allergrößte auf. Jetzt öffnet er sogar noch das Fenster:

„Mamfred, hör uff, disch abzuploge. Isch ruf die Sparkass a, dass sie den Weg freischaufelt und dabei kennese dein glei mitmache.“

Erbost über diese Angeberei zeigt er Eigen den Vogel.

„Wenn Du’s net glaabsschd, komm rei und Du wirscht ja sehe, was gschieht!“

Der Beckers Eigen greift er zum Telefon und wählt die entsprechende Nummer.

  1. A. Volksbankfiliale Schröderstraße, Sie sprechen mit Herrn Finkbeiner.
  1. Sie here Se mol, schicke Se mir doch glei ämol ohn vun Ihre Lehrling mit äm Schneeschieber rüwer. 
  1. Mit wem habe ich denn die Ehre zu sprechen? 
  1. B. Mit dem Brunners Eigen, der ä Lewe long schun ä Kondo bei Ihne hott..
  1. Ah, Herr Brunner, wir kennen uns, aber Sie wissen schon, dass heute nicht der Erste April ist. Ihr Wunsch erscheint mir schon etwas seltsam oder nicht?
  1. So iss es. Grauße Sprich mache und donn nichts dahinner. Es schneit was runner kimmt und vun der Gardedür zur Hausdür liegt auf meim Wegsche än haufe Schnee. Schicke Se ohn, der den wegmacht. 
  1. Aber erlauben Sie einmal, Herr Brunner, wir sind doch nicht die Wegeräumungsgesellschaft, wir sind eine Bank. 
  1. Aba in Ihrer Werbung hesst‘s doch – Wir machen den Weg frei! 
  1. Wenn Sie das so verstehen, dann gewähren wir Ihnen einen Kredit und damit können Sie eine Hausservicefirma mit dem Wegräumen Ihres Schnees beauftragen.

 Nachbar Manfred drückt Eugen die Schneeschaufel in die Hand und schließt grinsend die Tür hinter sich.

Alle Weck sin weg!

Bäckermeister Knösl steht jeden Tag um drei Uhr in der Früh, damit seine Kunden frisch gebackene Weck auf den Frühstückstisch legen können. Bis acht Uhr ist der Andrang groß, denn flacht er ab und die Regale werden leerer.  Wer dennoch kommt, schaut sich erst einmal um, was noch vorhanden ist.

10.40 Uhr

Kummt äna zum Bäcka un froogt:

„Sinn die Weck weg?“

„Hajo, die sinn all all.“

„Her, wer war’en do do?”

“All die, die friier aufstehe, wie du!“

Hemmer hemmer!

Herr von Dauwitz hatte beim Frühstück sein letztes sauberes Hemd mit Erdbeermarmelade verkleckert. Um 11.00 Uhr musste er beim Senat sein. Die Wirtin riet ihm, sich im nahen Kaufhaus ein neune Hemd zu besorgen. In seiner Eile fragte er den nächstbesten Verkäufer.

“Haben Sie Hemden?”

„Hajoo, Hemmer hemmer.“

„Ich benötige Hemden und keine Hämmer. Was soll ich damit.

„Isch hab Ähne doch gsaagt, dass mer Hemmer hän. Hämmer hemmer sowie so net.

„Abba“

Wer nach Heidelberg versetzt wird, umzieht oder sich sonst wie  hier aufhält, muss als Erstes das Kurpfälzer Allerweltswort und dessen Bedeutungsbreite, Tiefe und Fülle kennen, um es selbst anwenden zu können.

Es handelt sich um das Wort „abba“ – oder auch „a ba“.

„Abba“ ist passend für jede Gelegenheit, alles lässt sich damit sagen – oder auch nichts. Es kommt nur auf die Betonung an. Und die muss von frühester Jungend an gelernt sein. Ein Zugereister wird Jahre benötigen und auch dann ist es fraglich, ob er es vermag.

Einer, der lange Jahre in Heidelberg gelebt und gewirkt hatte, dann nach Amerika gegangen war und nach rund dreißig Jahren den Weg zurück nach Heidelberg fand, fragte am Bahnhof den ersten Gepäckträger, der ihm vor die Nase kam: „Na, sagt ihr in Heidelberg noch immer „abba?“ und erhielt prompt die Antwort: „Abba!“

Da lächelte der Zurückgekommene glücklich. Es hatte sich in Heidelberg nichts geändert.

Bleibt die Frage: „Hat sich wirklich nichts geändert?“
„Abba!“

Allah!

„Allee“ und „Allaa“ sind in der Kurpfalz nicht etwa der Ruf nach einer Gottheit, sie sind vielmehr Bestandteil der heimatlichen Mundart.

Sie kommen aus dem Franzöischen „aller“ und bedeuten „gehen wir – auf geht’s“

Als Karlheinz der Vorarbeiter Muhamed zurief: „Allaa, allaa, schaffe, schaffe“,

entgegnete Muhamed zornig: „Allah, Allah rufen, unser Allah gut, euer Allaa nix gut!“

Irdische Machtverhältnisse

Im „Mars‘schen Außerirdischenlexikon“ ist zu lesen, dass „die Machtverhältnisse auf dem Planet Erde so aussehen, dass der Mächtigere immer an erster Stelle kommt.“

Bei einer Erdumkreisung über der Kurpfalz beobachtet die Crew unter Kommander Lexorianus mehrmals zwei Kreaturen am Neckaruferweg.

Voraus läuft eine Kreatur mit goldenem Halsband und geflochtener Leine, die andere trippelt hinterher und trägt ein Exkrementenbeutelchen in den Händen.

Die zweite, größere Kreatur fordert die erste immer wieder auf: Schmusehasi jetzt mach doch endlisch doi Gschäftsche. Guck, hier hinner dem Maierle is doch ä gude Schtell‘ – kannsch‘ doi aghobenes Beinsche au no alehne und‘s Bächle leeft a glei in de Necker noi. Alla hopp, jetzt mach‘!

Die erste Kreatur, meist behaart, spricht nicht, aber denkt: Jetzt halt doch dei Gosch, Isch mach mei Rabbele un moin Haufe, grad do wo und wann isch will!

Die Marsche Crew ist irritiert und fragt sich, wer von den beiden ist denn nun der Chef?

Voraus der Hund und dahinter der Mensch als Exkrementensammler mit einer gefüllten roten Tüte.

Stadtteile

Kärsche Missverständnis

Des „Schuschters Kaddl aus Kärsche“ hatte schon lange vorgehabt, in die Stadt zu fahren, denn sie hatte „ebbes“ gebraucht. Im Kaufhaus wandte sie sich an eine Verkäuferin.

„Si Freilein, Si werre entschuldische, awa isch  find net, was isch such.

 Wu isch’s  donn?“

Verkäuferin: „Was suchen Sie denn, werte Dame?“

De Schuschters Kaddl: „ä Dasch.“

Verkäuferin: „Ah, ich verstehe!  Dort hinten!“ Sie zeigt hinter sich. „Da steht Ihnen eine reiche Auswahl zur Verfügung.“

De Schuschsters Kaddl suchte den hinteren Teil mit den Augen ab: „Wu genau, Freileinsche?“

Verkäuferin: „Rechts von der Säule gibt es eine reichhaltige Auswahl! Ich gehe mit Ihnen, damit Sie nicht so lange suchen müssen.“

Hinter der Säule:

De Schuschters Kaddl: „A, Freileinsche, do is ko Dasch!“

Verkäuferin: „Aber Sie sagten doch, dass sie ein Waschmittel benötigen.“

De Schuschters Kaddl: „Awo Freileinsche, ä Dasch mit em Henkel dro, ko Wäschmittel möscht isch hawwe.“

Neiene – Konfession

De Kunnerad aus Neiene stand in der Stadt vorm Amtsrichter, weil er ein Hinkl mutwillig überfahren haben soll. Doch zuerst ging es um die Angaben zur Person.

Richter: „Wie alt?“

Kunnerad: „Fünfefärzisch.“

Richter: „Konfession?“

Lange Pause ….

Richter: „Welche Konfession?“

Kurze Pause …

Richter: „In was for e Krech‘ gehe Sie dann?“

Kunnerad: „Ha, in unseri!“

Hendesse – S’Nudelbrett

Im Mühltal wohnten zwei Frauen, die sich gut kannten und auch mochten. Fragte doch einmal die Babette die Nachbarin, de Schusters Gräädl: „Konnscht mer mol doi Nuddelbrett leihe?“

Als acht Tage herum waren, fragte die Nachbarin nach ihrem Nudelbrett und bekam die Antwort: „Kannscht mer’s net noch ä bissel losse“.

„For was donn?“, wollte die Schusters Gräädl wissen.

„Ha weescht, wann i als zmiddag gesse hab, donn leg ich misch ä bissl hii. Awwer uff des frischgmachte Bett mecht i mich net hiilege, weil i des donn  verstrawwel.

Un do nemm isch zwee Stihl, leg doi Nuddelbrett druf un mich selwer a.“

„Worum nemmsch du donn net dei Nuddelbrett, du Allerschäänschdi?“

„For den Zweck is mer mois zu schad,“ määnd die Bawett.

Vaterschaft

„Mudder“, kommt der Bangert weinend nach Hause. „Die Buwe drauße saage, isch hätt kän Vadder“.

„Sei schtill, Norbertle!“, tröstete ihn die Mutter. „Wanns uff des akummt, dann hosch du am End meh wie die all mitenanner.

 Ziggele – Scherwe

„Grad naus“ sollen die Pfälzer sein, so liest man es in allen volkskundlichen Schriften.  Hören wir uns ein Beispiel an, um selbst entscheiden zu können.

Der Herr Kommerzienrat hätte noch zu gern den Doktor h.c. erworben. Dazu sollte es aber nicht mehr kommen, denn er wurde plötzlich ins Jenseits abberufen. Nun lebte seine gewichtige Witwe – und das ist noch milde ausgedrückt – alleine in ihrer riesigen Villa am Schlossbrunnenweg.

Im grünen Salon hing ihr Porträt, das ihr Gatte vom Kunstmaler Wunschmann hatte anfertigen lassen und auf das die Dame des Hauses mächtig stolz war.

Eines Tages stand der Beckers Eigän, ein Ziegelhäuser, der die Wäsche abgeliefert hatte und auf seine Bezahlung wartete, in ehrfürchtiger Betrachtung versunken vor dem Bild.

Da rauschte die Witwe herein, und nur schwer riss sich der Beckers Eigähn von dem Porträt los. „Ja,“ sagte Madame wehmütig, „das bin ich. Aber das ist schon lange her.“

In einem Anflug von ungewohnter Galanterie meinte der Waschmann aus Ziegelhausen: „Hajo, Fraa Kommerzienrat, wie de Haffe emol war, des kann mer aa  noch an de Scherwe  erkenne.“

Aus dem Umland

Meckesse

Sellere Fraa ihr Diechl!

1862 errichtete die Großherzoglich Badische Staatseisenbahn den Meckesheimer Bahnhof.  Damit waren die Gemeinde und die Nachbarorte an die Bahnstrecken nach Heidelberg und Heilbronn (seit 1869) angebunden. Hier zweigte auch die Schwarzbachtalbahn nach Aglasterhausen ab.

Ort: Bahnhof Meckesheim

Zeit: Vor 100 Jahren

Personen: eine ganze Menge

  1. Akt (Der Zug von Heidelberg kommend fährt ein)
  1. Schaffner: „Meckesse!“
  1. Schaffner: (weiter hinten) „Meckesse!“
  1. Schaffner: (noch weiter hinten) „Meckesse!“
  1. Schaffner: „Wer nach Heilbronn will, hogge bleiwe!“
  1. Schaffner: „Nach Aglaschterhause – Neckarelz umschteige!“
  1. Schaffner: „Zää Minute Uffenthalt! De Bohnhofswertschaftsreschdauration hott offe!“
  1. Akt (Die Lokomotive röchelt: sch, sch, sch, nach 10 Minuten)
  1. Schaffner: „Eischdeige!“
  1. Schaffner: „Is alles do?“
  1. Schaffner: „Donn -Ferrrtisch!“

Gepäckträger: „Obacht gewe! Obacht gewe! Losst misch durch!“

Zugführer zur Abfahrt bereit, schiebt den Hebel nach oben: „Abfahre!“

Eine Frau: „Halt! Nemmt misch noch mit!“

Zugführer dreht sich nach Frau um und zieht den Hebel nach unten: „Halt! Die Fraa kummt noch mit!“

  1. Schaffner: „Kumme Se, steige Se hordisch ei!
  1. Schaffner hebt die Kelle hoch: „Fertisch!“

Zugführer möchte den Hebel erneut nach oben schieben.

Die Frau: „Halt, Haaalt! Mei Diechl!“

Chor der Reisenden: „Halt! Dere Fraa ihr Diechl! Halt! Halt, halt, halt!“

Zugführer: „Halt? Was is donn mit sellere Fraa ihrm Diechl?“

Die Frau: „Mei Diechl“ – mei schäns Diechl!“

Gemischter Chor der Reisenden: „Seller Fraa ihr Diechl! Sellere Fraa ihr 

 Diechl!  Sellere Fraa ihr Diechl. Des muss her!“

Bahnhofvorsteher: „Himmlsakrament! Was is donn mit sellerer Fraa ihr’m                                                  

 Dichl?“

Zugführer: „Wu is donn sellere Fraa ihr Diechl?“

  1. Schaffner: „Wu hawwe se donn ihr Dichl?“

Die Frau: „In de Reschdauration liggt’s hinnerm Offe – Ach mei Diechl, mei schäänes Diechl! (Heult)

Chor der Reisenden: „Sellere Fraa ihr Diechl liggt hinnerm Offe! Sellere Fraa          ihr Diechel liggt hinnerm Offe. Sucht’s halt!“

Bahnhofsvorsteher: „Gepäckträjer, sehe mol noch, ob sellere Fraa ihr Dichl           hinnerm Offe in de Reschtdauration liggt!”

Regieanweisung:

Allgemeines ergriffenes Schweigen.

Das leise Schnaufen der Lokomotive erfüllt schicksalhaft die Pause zwischen

dem dramatischen Höhepunkt und der Lösung des Konflikts.

  1. Akt

Stimme des Gepäckträgers (aus einem Fenster): „Do liggt’s jo! Do liggt sellere  Fraa ihr Diechl!“

Die Frau: „Er hot’s, mei Dichl, mei lieb’s Dichl!“

Gemischter Chor: „Er hot’s! Er hot’s!  Er hott sellere Fraa ihr Diechl!“

Bahnhofsvorsteher: „Gewwe Se sellere Fraa ihr Diechl!“

Die Frau: „Ach mei Diechl, mei lieb‘s Diechl!“ 

  1. Schaffner: „Hawwe alle, was se hawwe solle?

Chor der Reisenden: „Joo, mir hawwe alles, was mer hawwe solle!“

Zugführer schiebt den Hebel endgültig nach oben: „Abfahre!“

Ein Schwank aus der guten alten Zeit (aus: Rudolf Lehr – Kurpfälzischer Anekdotenschatz -Schwetzinger Verlagsdruckerei GmbH, 1963)

Dilsberg

Das neue Gebiss

Dem Nachtwächter eines Neckarstädtchens hatte der Bader den allerletzten Zahn gezogen. Danach erntete er nur Mitleid und Hohn, wenn er um Mitternacht lauthals verkündete:

„Hör ih Henn un lascht eusch saen! Unsche Lock ha schwölf geschlaen…!

Die um ihre Bürger besorgten Gemeinderäte beschlossen Abhilfe zu schaffen. So bezahlten sie dem verdienstvollen Mann ein neues Gebiss.

In der nahen Universitätsstadt ließ er sich daselbst eine neue Sprech- und Kauprothese anfertigen.

An dem Abend, an dem er mit dem neuen Gebiss heimkehrte, wartete man gespannt seinen nächtlichen Rundgang ab, um den nun verständlicheren Ausruf zu hören.

Schlag zwölf.

„Hör ih Henn un lascht eusch saen! Unsche Lock ha schwölf geschlaen!“

Entsetzt rannte der Bürgermeister im Nachtgewand auf die Straße und rief: „Dunnerwetterkeil, Schorsch, isch hab‘ gemäänt, du hätt’scht a neies Gebiss kriegt!“

„Hajo, hawwwisch‘s kriegt, awwer de Dodotr hot schaat, isch scholl’sch iwwer Nacht insch Wascher leje“.

Vermischtes

Kaum ein schwäbisches Wort hat so viele Bedeutungen wie das Wort Ebbes. Aber wie soll man erklären was Ebbes oder gar Ebbes ist? Vor allem, weil man Ebbes sein kann, Ebbes haben kann oder aber Ebbes geworden ist und dann Ebbes ist.

Der folgende Text soll dies verdeutlichen

Jeddz muaß i Eich amol Ebbes saga, wenn ihr mi frogad, was unsr schwäbischs Allerweldswördle isch, no sag i des Wördle: Ebbes. Denn des Wördle Ebbes ko mr hald fir ällas braucha.

Wissad Ihr iberhaubd, was Ebbes isch? Ebbes, dees isch hald Ebbes, Ebbes macha isch bessr, als Ebbes lassa.

Beispiel:

Wenn a jungr Bursch heirada will, no muaßr sich Ebbes suacha, a Mädle, wo Ebbes hodd und wo Ebbes ko und wo Ebbes mitbrengd.

Ond wenn er so Ebbes gfunda hodd, no hoddr Ebbes oigas. Ebbes firs Herz, Ebbes firs Gmiad, ond Ebbes firs ganze Läba (manchmol hälds ja so lang) ond au Ebbes firs Bedd ond no wird Hauzich gfeierd.

Dia derf nadierlich Ebbes koschda, damid mr siehd, dass Ebbes do isch, mr isch jo au Ebbes. Denn ihr wissad jo, do wo Ebbes isch, kommt gweehnlich no Ebbes dr´zua, de Reiche kalbt hald au no dr Sägbogg uff dr Biehne.

No goht mr au a Hochzeidsrais, ond des isch jo au Ebbes schees. Do siehd mr Ebbes, do erläbd mr Ebbes ond do ko mr auf fir Ebber Ebbes kaufa, dass mr au Ebbes midd hoim brengd.

Ond wia dia Zeit a bissle weider goht, ha, no, uff oimol erwarded mr Ebbes. D´Nochbrschoffd hodd nadierlich scho längschd Ebbes gmerkd khedd. Dia sagad scho seid Wocha, ‚I glaub do kommd Ebbes‚. Ond no griegad se wirglich Ebbes ond auf oimal hend se Ebbes glois.

Wenn des Kindle em Bett heild, no fehld emm Ebbes ond wenns Hongr hodd no griagds au Ebbes. Wenns aber no weider heild, no fehlt eam Ebbes args, vielleicht hodds abbr au blos Ebbes in d`Hoos gmacht. Des muass no Ebber uffbuddza.

Schbädr kommd dr Bua in d´Schual, dass´r Ebbes lernd. Ond wenn dr Lehrer frogt ond er woiss Ebbes nedd oddr er vrgissd Ebbes, no griagdr Ebbes auf d´Fingr oder gar Ebbes henda druff.

Noch dr Schual, machdr a Lehr oddr schdudierd, dass´r Ebbes gscheids lernd ond Ebbes verdeand, damit´r, wenn´r a Moo isch, au Ebbes ko ond Ebbes hodd, halt Ebber isch.

Abbr bis mr Ebbes hodd, ischs Ebbes arrgs, was mr sich schenda ond blooga muaß!

Hodd mr no Ebbes glaischded, no ko mr sich au Ebbes erlauba ond zo ällam Ebbes saga, dees isch no Ebbes schees!

Wissad ihr jeddz, was Ebbes isch, oder woiss es Ebber no nedd?

aus:  Helmut Metzger „Ebbes“

Die Deputation
Aus: Fliegende Blätter
Die Deputation

 

 

 

 

Die Bäuch‘, die Bäuch‘, die dicke Bäuch‘,
Die Bäuch‘ sin unser Schade!
’S wär besser werrlich, sag isch Eusch,
Mir Kaufmannsleit hädde gar keene Bäuch
Keene Backe un keene Wade!

Noch Billigkeit un noch Vernunft
Isch unser G‘winn zu nieder:
Drum war auch unser ganzi Zunft
Bei ihrer letschte Zsammekunft
Als wie een Mann daawider.

Mir sage unserm Zunftschkriwent:
„Jetz Alder schpitz dein Fedder,
Schreib‘ dass mer nimme lewe könnt,
Mach e Lamento ohne End,
Sunscht hol disch’s Dunnerwetter:“

Er hot gedhan sei Schuldigkeit,
Die Schrift war schier zum Flenne,
So kläglisch wie die heuer Zeit,
E Chrischt, e Judd, e Derk, e Heid
Hätt sisch erbarme könne.

Mir knöchle siewe Männer raus,
Zufällig lauder Dicke;
Die gehn zum Präsident in’s Haus
Un rücke mit der Bittschrift raus
Un denke ’s durchzudrücke.

Was hot der Präsident gedan?
Er lest die Schrift, guckt sich die Deputierte  un dann  lächelt da:
„Ihr Herrn, schaut Euch nur selber an,
Von Mangel und Entbehrung keine Spur!“
Do wusst mers: Des war nit gut geknöchelt!

Mir gucke a uns in de Rund, –
Do war nix mehr zu mache;
Mir Fetzekerl, all kugelrund,
E Jeder wiegt dreihunnert Pund!
Mir musste selwer lache.

Drum noch e Mol: die Bäuch‘, die Bäuch‘,
Die Bäuch‘ sin unser Schade!